Die Geschichte der Anna Neumann

In Villach gibt es eine Anna Neumann-Straße. Anna Neumann?
Ach, war das nicht die mit den sechs Ehemännern?
Eine moderne Frau also?
Modern schon, aber... Na, beginnen wir von vorne.

 

Geboren wurde Anna Neumann am 25. November 1535 auf Schloss Wasserleonburg im Gailtal. Ihr Vater, der angesehene Villacher Handelsherr Wilhelm Neumann, starb wenige Monate nach ihrer Geburt. Er hinterließ seiner Frau Barbara und den vier Söhnen ein ansehnliches Vermögen, das die überaus geschäftstüchtige Mutter Barbara geschickt vermehrte. Anna sollte nur im Falle des Todes aller Brüder erben.

 

Zu diesem Zeitpunkt hat es dem kleinen Mädchen niemand in die Wiege gesungen, dass sie dem Kaiser einmal 340.000 Gulden - das wären heute einige Millionen Euro - aus ihrer Privatschatulle vorstrecken würde.

 

Mit 21 Jahren, "schön von Angesicht, schlank gewachsen und regen Geistes", beginnt ihre Karriere als Ehefrau: Es ist eine Liebesheirat. Hans Jakob von Thannhausen stammt aus einem alten, aber verarmten Adelsgeschlecht. Sie schenkte ihm zwei Töchter, Elisabeth und Barbara. Er stirbt jedoch bereits nach drei Jahren glücklicher Ehe.

 

Sechs Jahre später die 2. Ehe mit Christoph von Liechtenstein-Murau. Seine Familie ist hoch verschuldet. Mit dem Erbe ihres Stiefvaters Hans Seenuss kauft sie die Herrschaft Murau von der Familie ihres Gatten (Ihre Brüder sind mittlerweile alle tot; einer sogar nach dem Degenstich eines kaiserlichen Offiziers, dessen Frau er heimlich geliebt hat.) Anna erwarb zudem ein großes Vermögen durch den Tod ihrer Familie.

Als "Herrin von Murau" entwickelt Anna ihre außerordentliche geschäftliche Begabung, gepaart mit Härte, Schlauheit und Unnachgiebigkeit. Gleichzeitig sorgt sie aber auch vorbildlich für die Armen. Nach 14 Jahren Ehe stirbt ihr Mann - angeblich an einer verschluckten Wespe.

 

Zwei Jahre später heiratet sie den um 10 Jahre älteren, welterfahrenen, aber verschuldeten Ludwig Ungnad von Sonnegg, einen Führer einer protestantischen Partei, der auch Anna aus voller Überzeugung angehörte. Ludwig liegt nach drei Jahren auf der Bahre.

 

Die 4. Ehe mit Carl Freiherr von Teuffenbach hält immerhin 24 Jahre. Auf Grund ihres ständig zunehmenden Reichtums wurde sie von Übelwollenden als Hexe bezeichnet und das obwohl ihre Untertanen ihre Sparpfennige bei der Herrschaft hinterlegen konnten und dafür Zinsen erhielten. Anna Neumann war eine moderne Geschäftsfrau ihrer Zeit! Als Teuffenbach stirbt, steht Anna mit 71 Jahren ganz allein da:
Geschwister, Tochter, Enkelkind, alle sind tot.

 

Die reiche Witwe sticht natürlich so manchem Freier ins  Auge. Andererseits hat auch Anna nur noch ein Ziel: Ihr Vermögen in eine angesehene Adelsfamilie einzubringen. Da ist Graf Ferdinand Ortenburg-Salamanca genau der Richtige. Auf Druck seiner hoch verschuldeten Brüder heiratet der die reiche Witwe - und enttäuscht seine Familie, indem er nach fünf Jahren stirbt.

 

Anna ist hingegen pumperlgsund und beweist wieder einmal ihren Geschäftssinn: Die Ortenburger müssen alle Darlehen, die sie ihrem Mann während der Ehe gegeben hatte, zurückzahlen! Die Suche geht weiter.
Mit 81 1/2 Jahren erhört Anna den 31-jährigen Georg Ludwig Reichsgraf zu Schwarzenberg, einen bereits hoch angesehenen kaiserlichen Diplomaten. In den sechs Jahren ihrer Ehe ist er meistens auf diplomatischen Reisen. Kurz vor ihrem Tod erbittet Anna sich beim Kaiser einen Urlaub für ihren Mann. Er wird ihm gewährt und sie stirbt mit 88 Jahren in seinen Armen.

 

In Villach erinnert das Haus Hauptplatz 13 an die Familie Neumann.

 

Gernot Rader: Villach Geschichten